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Auf dieser Seite finden Sie zur Zeit folgende Texte in dieser Reihenfolge:

- Eßkultur heute

- Vom Teetrinken

- Einsatz beendet - Hund tod

- Dat Belevnis vun de Suersupp

 

Eßkultur heute

Eine der Lieblingsbeschäftigungen in unserer Welt ist die allgemeine Klage, daß unsere Kultur verfällt. Am lautesten ist diese Klage, wenn es um den scheinbaren Verfall der Eßkultur geht. Einer der Hauptschuldigen ist erkannt: weltweit verkauft das Unternehmen unter einem internationalen, schottisch klingenden Firmennamen flachgedrückte Fleischklopse in pappigen Brötchen, wobei die lebenswichtige Vitaminzufuhr durch ein Blatt grünem Salat und einer Scheibe Tomate gewährleistet wird; wenn es hochkommt (ich meine jetzt nicht das Essen, bitte nicht mißverstehen!) rundet ein süßsauer eingelegte Gurkenscheibchen die Mahlzeit ab. Ich habe an dieser Art der Nahrungsaufnahme nichts auszusetzten, bietet sich doch dem eiligen Esser die Möglichkeit, unbelastet von etwaiger Wartezeit, seine notwendige Mahlzeit auch in halbstündiger Mittagspause einzunehmen und dabei noch Zeit für eine kurze Pause unbeschwerten Müßiggangs, etwa bei einem kleinen Spaziergang, zu finden. Dabei läßt sich beobachten, daß die Tempel dieser Fleischklopsnahrung im Laufe des Tages zu einer Kultstätte der verschiedensten Gruppen werden. Vormittags wird der Raum um die schnelle Theke zur Altentagesstätte: der Pott Kaffee, das kleine Frühstück muß nicht in der Einsamkeit der häuslichen Küche zu sich genommen werden; man sieht - und wird gesehen. Mittags kommt die schnelle Kundschaft - siehe oben - auf Mittagspause. Am frühen Nachmittag kommen die Schüler zu ihrem Treffpunkt, abgelöst wiederum durch Kinderwagen sammt schiebendem Anhang und der Kundschaft, die man morgens schon sah. Als Angebot lockt der Pott Kaffee mit einem mikroskopisch kleinem Stückchen Kuchen, deshalb im Rahmen des Kalorienzählens vertretbar. Abends wird dann das Publikum gemischt - die Nahrungsaufnahme als kurze Zwischenstation oder als Treffpunkt, die Tankstelle für den heimischen Abendbrottisch: "Bitte außer Haus!" oder der Beginn einer "After-work-party". Ist die Kulturlosigkeit im Falle des Anglizismus "After-work-party" schon offensichtlich, offenbart sie sich bei dem Ausruf "Bitte außer Haus!" nur dem Kundigen. Dem Kundigen nämlich, dem mit der Hilfe der Herren Rahn-Pfleiderer die Grundzüge der deutschen Grammatik beigebracht wurden.

Bei alle dem vergißt der Klagende, daß Kultur etwas wandelbares ist. Der Brockhaus bezeichnet die Kultur als das, was der Mensch geschaffen hat - im Gegensatz zu der von ihm nicht umgeschaffenen, sondern hingenommenen Umwelt, der Natur. Und dergleichen ist natürlich einer steten Wandlung unterworfen. So ist eben auch die Eßkultur kein stationärer Begriff. Das, dem wir den Mäntelchen des Positiven, des Erstrebenswerten umhängen, daß heißt 'unsere' Eßkultur ist von der Zeit, der Gesellschaft, dem Orte auf die wir sie beziehen, abhängig. Die Massai, ein Hirtenvolk in Ostafrika, bewahren die Milch ihrer Tiere in Kalebassen auf. Das sind die ausgehöhlten Früchte des Kalebassenbaumes oder ausgehöhlte Flaschenkürbisse. Nun ist Milch in der Hitze Afrikas kein sehr haltbares Nahrungsmittel. Zur Reinigung ihrer Kalebassen, auch bedingt durch den vorherrschenden Wassermangel, nehmen die Masai ihren eigenen Urin. Mit dieser uralten Methode halten sie dabei auch die Keimzahl in ihren Vorratsgefäßen gering. Kein Massai käme auf die Idee, an dieser Reinigungsmethode Anstoß zu nehmen. Der römische Schriftsteller Plinius (23 od. 24 bis 79 n. Christi Geburt) empfahl die Nutzung von Urin als Zahnputzmittel zur Kariesbekämpfung.

Die mittelalterlich Hochkultur hatte eine Eßkultur, die sich, und wir dürfen dafür dankbar sein, grundsätzlich von der unseren unterschied. Der dänische Astronom Tycho Brahe. er lebte von 1546 bis 1601, gilt als der bedeutenste Astronom vor der Erfindung des Fernrohrs. Es ist überliefert, daß die damalige Eßkultur ursächlich an seinem Tode war. Als angesehener Mann war er beim Baron von Rosenberg zum Essen eingeladen. Dabei trank er viel Wein, da Nicht-Trinken gegen die guten Sitten verstoßen hätte. Zuviel Wein, weil er bei jedem Trinkspruch mithalten mußte. Anscheinend befürchtete Brahe so sehr, gegen die Tischetikette zu verstoßen, daß er an seinem Platz sitzen blieb, statt sich und seiner Harnblase an separatem Orte Erleicherung zu verschaffen. Er starb an einer überdehnten Harnblase!

Tannhäuser, ein mittelhochdeutscher Dichter des 13. Jahrhunderts, dessen Name uns durch die Oper von Richard Wagner geläufiger ist, hat das gute Benehmen, das er von Seinesgleichen bei Tisch verlangte, in einer Tischzucht niedergelegt, ein 1x1 des guten Tons für mittelalterliche Gelage in herrschaftlichen Häusern. Seine Worte sind einfach, deutlich und unmißverständlich. Er verlangte von seinen Tischgenossen,

- sie sollten sich nicht ungewaschen an die Tafel setzen,

- sie sollten sich nicht in das Tischtuch schnäuzen,

- ebenso nicht in die Finger schnäuzen und in der Hand verreiben,

- sie sollten nicht schmatzend nach den Fleischstücken schnappen,

- und nicht so gierig essen, daß sie sich in die Finger bissen,

- sich auch nicht wie ein Schwein über die Schüssel hängen

- oder mit dem Messer in den Zähnen bohren,

- auch sollten sie nicht abgenagte Knochen wieder in die Schüssel

zurücklegen,

- sie sollten nicht mit vollem Mund wie ein Vieh trinken,

- oder mit fettigem Mund aus dem gemeinsamen Glas trinken.

Darüber, daß er es für notwendig hielt, diese sogenannte Tischzucht aufzuschreiben, und daß sie auf unsere Zeiten überliefert wurde, müssen wir vermuten, daß es zum einen jene Zeitgenossen gab, die diese Tischsitten einhielten und für gut erachteten, und zum anderen die Zeitgenossen, für die es notwendig war, daß sie die guten Sitten mal gesagt bekamen.

Doch wie sieht eigentlich unsere eigene häusliche Eßkultur aus? Was gilt bei uns als schicklich und als mustergültig für ein gutes Benehmen? Schauen wir doch einmal einem jungen Mitteleuropäer, männlich, etwa Mitte zwanzig, beim Suppe essen zu. Seine tägliche Arbeit hat er beendet, er kommt nach Haus. Daß der Tisch eingedeckt ist, erwartet er. Die Suppe wird aufgefüllt, während er das Haus betritt und sich die Schuhe auszieht. Er setzt sich sofort; die Hände zu waschen hat er nicht nötig - er hat eben Hunger! Kaum daß er sitzt, geht eine merkwürdige Veränderung mit ihm vor. Der große Mensch sackt vor dem Teller in sich zusammen, der Kopf baumelt jetzt unterhalb der Schultern knapp über dem Teller mit der heißen Suppe. Die Arme sind angewinkelt wie die Fangarme einer Gottesanbeterin (einer Fangschrecke) auf Beutefang. Die linke Hand stabilisiert den Suppenteller in Schräglage; die rechte Hand hält den Löffelgriff mit allen fünf Fingern umklammert. Die Nahrungsaufnahme kann beginnen! Jetzt setzt eine Hechelatmung ein, begleitet vom steten Wippen der löffelbewehrten rechten Hand. Die Atemstöße sind so kurz, daß der Mediziner von einer paradoxen Atmung sprechen würde. Und mit jedem Luftholen wird ein Löffel voll Suppe geräuschvoll eingesogen. Durch die Anstrengung der Nahrungsaufnahme geschieht das Ausatmen gleichfalls mit deutlichem Geräuschpegel. Es eben kräftezehrend, sich in so kurzer Zeit der neben der Suppe inhalierten Luft zu entledigen! Innerhalb von zwei Minuten ist der Vorgang beendet. Der Teller ist leer, mehr Sättigung wird nicht verlangt. Man hat ja keine Zeit - die Verpflichtungen des Abends rufen. Schnell wird noch das Mündchen, das fettige, am Geschirrtuch, dem sauberen, abgewischt. So, fettig - ach nein, Entschuldigung! - fertig. Fettig ist jetzt das Geschirrtuch. Ja, und natürlich Teller und Löffel. Aber darum mögen sich andere kümmern. Unser junger Mitteleuropäer entschwebt für wichtigere Dinge, natürlich ohne Händewaschen.

Eßkultur ist etwas, das sich mit dem Lauf der Zeit ändert. Und jede Zeit hat ihre eigene Eßkultur. Bestellen wir uns noch einen brötchenummantelten Fleischklops und eine riesigen Pott Kaffee und genießen wir die Eßkultur unserer Tage! [JCW]

 

 

 

Vom Teetrinken

 Zu einem alten und allseits verehrten Zenmeister kam eines Tages ein wandernder Mönch. Seine einfache Kleidung war schon etwas heruntergekommen; sie war schmutzig und zerrissen. Man sah dem Mönch seine lange und entbehrungsreiche Wanderung an. Aber der Meister sagte einfach zu zu ihm: "Nimm Platz! Trinke eine Tasse Tee mit mir." Beide unterhielten sich angeregt über die verschiedensten Themen.

 Dies schien dem alten und eigentlich sehr zuverlässigen Diener des Zenmeisters nicht zu gefallen: mit lauten Geräuschen wirtschaftete er im Haus herum, was eigentlich so gar nicht seine Art war. Mit Stille und Demut achtete er die Gäste seines Herrn. Aber jetzt klirrte Küchengeschirr auf Küchengeschirr, Holz schlug tönend auf Holz und vieles schien eine Neigung zu verspüren, ihm aus der Hand zu fallen. Er nahm sich sogar heraus, die Veranda vor dem gastlichen Zimmer zu fegen!

 Nachdem der Gast gegangen war - einige Zeit war er geblieben und die Sonne am Himmel dem Mond gewichen - fragte der Zenmeister seinen Diener "Warum?". Da legte dieser los: also er wäre ja mal derjenige, der alles im Haushalt in Ordnung halten würde. Mit ihm würde auch immer gescholten, wenn etwas falsch wäre. Und was würde er sich mühen, die Dinge des Lebens für seinen Meister von unten aus dem Dorf zu holen. - Er wollte schier kein Ende finden mit der Aufzählung der ihm obliegenden Pflichten. Und dann käme so ein abgerissener Mönch daher und würde vom Meister sofort und ohne weiteres geehrt und zum Tee eingeladen werden.

 Da sah der alte Meister seinen Diener an und sprach zu ihm: "Nimm Platz! Trinke eine Tasse Tee mit mir."

(Aus einer alten Überlieferung)

 

 

Einsatz beendet - Hund tot

 (Eine Geschichte, die in Bremerhaven tatsächlich passiert ist.) Manchmal kommt es vor, daß gesagt wird: "Das muß mal jemand aufschreiben." Aber oft bleibt es bei der guten Absicht. Die Geschichte, die das Leben schrieb, gerät dann doch in Vergessenheit. So setze ich mich denn hin, den Verlauf der Dinge zu unterbrechen und ein paar Zeilen zu Papier zu bringen. Erzählt hat es einer, der hat es von seinen Kollegen gehört. Aber als er erzählte, war einer zugegen, der war dabei. Also ist es wahr.

Alarm in der Feuerwache: Einsatz im höchsten Hochhaus der xxxstraße; Unfall mit dem Aufzug. Entsprechend dem Objekt erfolgt eine umfangreiche Alarmierung. Die Kollegen der Wachschicht rückten an, konnten aber nur noch den Tod eines Beteiligten feststellen. Was war eigentlich passiert? Die Tochter war für einige Zeit an der Betreuung ihres kleinen Hundes gehindert und hatte ihn in die Obhut ihrer Mutter gegeben, Bewohnerin einer Wohnung in eben diesem Hochhaus. Mutter und Hund kannten sich, nur war der Hund klein und quirlig und die Mutter schon etwas älter und nicht mehr ganz so beweglich. Gern hatte sie die Betreuung des Hundes übernommen, der Hund war ihr ans Herz gewachsen und ihrer Tochter tat sie gern den Gefallen. So übernahm sie mit Freude auch die Spaziergänge, die man im allgemeinen als "Gassi gehen" bezeichnet. Der kleine Hund wurde zu diesem Zwecke angeleint; die Hundeleine war eine von den praktischen Dingern, die sich bis zu einer gewissen Länge von einer Rolle abspulen lassen und durch ein Federwerk von selbst wieder aufrollen, wenn die Distanz Herr-Hund sich beim Spaziergang verringert. Die alte Dame und der angeleinte Hund gingen also gemeinsam über den Flur von der Wohnungstür zum Fahrstuhl. Die Fahrstuhltür öffnete sich und beide gingen in die Kabine; die Aufmerksamkeit der Frau galt sofort der Bedienungstafel, der Hund interessierte sich in schnüffelnder Weise für seine Umgebung. Das Fahrtziel nach unten ins Erdgeschoß war schnell auf der Tafel gedrückt, eine gewohnte Übung. Aber leider lenkte das vom hin und her schnüffelnden Hund ab.

In einer Zeitschrift habe ich mal den guten Ratschlag eines Fachmannes gelesen: Man solle seinem Hund beim gemeinsamen Spaziergang auf keinen Fall das Schnüffeln verbieten; dies sei für den Hund genau so wichtig und bedeutend, wie für den Menschen das Lesen der Morgenzeitung. Der Hund, um den es hier geht, hatte die interessanten Neuigkeiten der Fahrstuhlkabine erschnüffelt. Neugierig zog es ihn nun nach draußen durch die automatische Fahrstuhltür in den Flur, wo für ihn noch viel mehr interessante Gerüche zu erwarten waren. Und nun wird es dramatisch: Frau im Fahrstuhl, Hund draußen, beide mit der Leine verbunden, und die sich mit der Macht des Schicksals schließende Tür des Aufzugs! Wenn sie auch nicht bemerkt hatte, daß der Hund aus dem Fahrstuhl gelaufen war, jetzt wurde ihr die Lage schreckhaft bewußt. Veranlassen konnte sie nichts mehr. Not- und Haltknöpfe waren für den Moment vergessen. Die Fahrstuhltür hatte sich geschlossen und der Fahrstuhl setzte sich mit Richtung nach unten in Bewegung, Frau und Hund immer noch verbunden durch die Hundeleine. Die Leine spulte ab bis zu ihrem Ende. Dann wurde der Handgriff der Frau aus den Händen gerissen, schnellte zur Decke und blieb oben am Spalt der Fahrstuhltür kleben. Jetzt ging alles irgendwie ganz schnell: der Fahrstuhl blieb irgendwie stehen, die Frau wurde irgendwie aus ihrem Gefängnis befreit und irgendwie wurde die Feuerwehr alarmiert. Die sollte sich um Hund und eingeklemmte Hunde­leine kümmern. Der kleine Hund lag nämlich ein oder zwei Stockwerke über dem nun geöffneten Fahrstuhl vor der verschlossenen automatischen Tür, stranguliert von seiner eigenen Hundeleine. Zu helfen gab es da nichts mehr, der eben noch so muntere Hunde war mausetot. Derjenige, der dabei war, sagte: "Und dann hatten sie ihm sogar noch ein Kissen untergelegt."

   -   Einsatz beendet, Hund tot!

 

 

Die folgende Erzählung werden Sie vielleicht nicht verstehen. Denn sie ist in der Sprache geschrieben, die die Bevölkerung unseres flachen norddeutschen Landes spricht, dem Niederdeutschen, oder umgangssprachlich Plattdeutschen. Man sagt, das Land sei so flach, daß man Mittwochs schon sieht, wer am Sonntag zu Besuch kommt. Warum Ihnen eine Geschichte präsentiert wird, die Sie möglicherweise nicht verstehen? Damit Sie eine Vorstellung gewinnen von einer Sprache, die bei uns gesprochen wurde und die immer noch lebendig ist. Und wenn es Sie interessiert, schauen Sie mal rein - kiek mal weller in - bei dem Institut für Niederdeutsche Sprache, Bremen, unte www.ins-bremen.de

 

Dat Belevnis vun de Suersupp

 Dat hess dor nu vun, wenn du old warst! Ers hess ne schoine Geschich mit'n Rezept to'n koken, dat du nich kenn's. Und denn finn's dat Rezept in Kokbuk un wees nich mehr, wo du de Geschich in funnen hes. Sü! Un dat Rezept ist dat vun de "Suersupp". Un nu passt man op, leve Lüe, dat ji nich secht "Sürsupp", denn lacht all de plattdütschen! Ne, dat heet "S-u-e-rsupp"! De Scholmeesters nömt dat "Dehnungs-E" Sü, nut wet's bescheed! Und kennen de ick dat all langs; bi us tohus heet dat man blot "Obstsuppe". Wat min Fro ist, de ducht dat man kuriös, dat man drögtet Obst mit Speck tosamen in Pott haut. Man smecken deit er dat ok! Un de Geschich, de war ik jo nu vertell'n - nich as sei in Book steiht. Ne, mit min eegen Wöer:

Dat is al langs Tid her, dor is dat ween; damals güng de leve HerrGOtt noch mangs de Lüe to'n spazeern. Un kann ween, dat is in dat Land Hadeln west, woners dat passert is. De ol Hinnerk har al langs sin Arbeit don, he wür op Olendeel. Dor güng hei Abends noch op'n Damm lang un bekick sick de rode Sünn. Dor kem en steenolen Mann langs den Padd. Hinnerk kek em an un see to em: "N'abend ok, beste Mann! Wenn ik di do so stohn sei, bin ick meist verlöven, du büs de leve HerrGOtt sülvens!" "N'abend, Hinnerk, dat is ja fein, dat du mi kennen deis!" sä de ole Mann dor. "Jo'e Pastor, de is mi jüst bemött, de is mi reinwech nich künnig worn!". So snacken sei denn ne tidlangs. To Sluss se de leve HerrGOtt noch to Hinnerk: "Hinnerk, ik weit, du büs man arm dran. Avers du büs fründlich to mi ween un hess mi kennt. Dorum sech mi drist, wat is din levtet Eten?" "Jo," sä Hinnerk, "dat is woll Suersupp. Ja, Suersupp et ik am levsten!" "Jo, denn go man no Hus. In din Pott wars du ümmers Suersupp in hebben, jeden Morgen is hei weller vull! Drofs ok Jan un Allemann vertelln, dat ik di dat geven hef. Man du drofs ni nich seggen: "Ik heff niks mehr! Kumm vunmorgen weller!" Denn is dat ut mit de Suersupp in din Pott! Versteis?"

            So wer dat denn ok. Hinnerk un sin Suersupp wören bekannt as'n bunten Hund! Arme Lüe kemen to em, wenn sei hungrig wörn. Avers ok Börgermeesters un Afkaten, Schoolmeesters un de Pastor. All kregen sei Suersupp ut Hinnerk sin'n Pott. Un all seggen sei, wat jemmer dat god smekt har. So güng dat Dach för Dach, Mand för Mand, Johr för Johr. Blot an eenen Abend in Harvst, dor keem en olet klöterigen Froensminsch bi Hinnerk an de Dör to kloppen. Dar sä Hinner to er: "Jo, dat deit mi leed! Avers ik hev man nich noch [genug] för mi sülvens in'n Pott vonavend. Kumm man Morgen weller, glicks in de Fröe. Denn hev ik ok weller Suersupp för di!" Dat har Hinnerk man ni seggen schullt! In de Nacht wör dat ut! Am nächsten Morgen wöer dat vorbi mit de schoine Suersupp. De Pott bliv leddig - nu un för alle Dagens.

            Un Hinnerk, de har ok de Nees vull! Sin Levdag het he keen Suersupp mehr eten. He kunn sei nich mehr lieden! Sü, un ik will glicks los to'n Höker un mi drögtet Obst un Speck kopen. Morgen schall dat Obstsuppe bi us tohus geven - orer - wenn't wullt: Suersupp. [JCW]

Beim Kern dieser Geschichte handelt es sich augenscheinlich um tradiertes Volksgut unserer norddeutschen Heimat. Gerne geben wir den Hinweis weiter, daß eine ganz ähnliche Erzählung von Fritz Fischer (seine Daten sind unbekannt) niedergeschrieben wurde und 1977 im Buch "Dat lustige plattdüütsche Leesbook", erschienen im Glogau Verlag, Hamburg, veröffentlicht wurde. Der Autor oben stehender Geschichte hat eine Erinnerung seiner Kindheit niedergeschrieben, die Ähnlichkeiten mögen da nicht ganz zufällig sein.