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Der Technik-Teufel hat wieder zugeschlagen: das Gedicht für den Monat Juni 2011 finden Sie am Ende dieser Seite!

 Wegen technischer Schwierigkeiten wird diese Seite vorübergehend nicht weiter ausgebaut. Bitte widmen Sie Ihre Aufmerksamkeit für einen Moment den Perlen deutscher Dichtkunst, die wir schon für Sie gesammelt haben!

 

 

Gedicht des Monats Mai 2011

Süsser Mai, du Quell des Lebens,

Bist so süsser Blumen voll,

Liebe sucht auch nicht vergebens,

Wem sie Kränze winden soll.

Clemens von Brentano, 1778  -  1842

 

 Gedicht des Monats April 2011

 

Frühling

Was rauschet, was rieselt,was rinnet so schnell?

Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?

Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:

"Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!"

 

Was knospet, was keimet, was duftet so lind?

Was grünet so föhlich? Was flüstert im Wind?

Und als ich sof fragte, da rauscht es im Hain:

"Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!"

 

Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?

Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?

Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:

"Der Frühling, der Frühling!" - da wußt' ich genug!

Heinrich Seidel (1842 - 1906)

 

Gedicht des Monats März 2011

 

Märztag

 

Wolkenschatten fliehen über Felder,
blau umdunstet stehen ferne Wälder.
Kraniche, die hoch die Luft durchpflügen,
kommen schreiend an in Wanderzügen.
Lerchen steigen schon in lauten Schwärmen,
überall ein erstes Frühlingslärmen.
Lustig flattern, Mädchen, deine Bänder;
kurzes Glück träumt durch die weiten Länder.
Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen;
wollt' es halten, musst' es schwimmen lassen.

(Detlev von Liliencron)

 

Gedicht des Monats Februar 2011

Die alte Waschfrau

Du siehst geschäftig bei dem Linnen
Die Alte dort in weißem Haar,
Die rüstigste der Wäscherinnen
Im sechsundsiebenzigsten Jahr.
So hat sie stets mit sauerm Schweiß
Ihr Brot in Ehr' und Zucht gegessen,
Und ausgefüllt mit treuem Fleiß
Den Kreis, den Gott ihr zugemessen.

Sie hat in ihren jungen Tagen
Geliebt, gehofft und sich vermählt;
Sie hat des Weibes Loos getragen,
Die Sorgen haben nicht gefehlt;
Sie hat den kranken Mann gepflegt;
Sie hat drei Kinder ihm geboren;
Sie hat ihn in das Grab gelegt,
Und Glaub' und Hoffnung nicht verloren.

Da galt's die Kinder zu ernähren;
Sie griff es an mit heiterm Muth,
Sie zog sie auf in Zucht und Ehren,
Der Fleiß, die Ordnung sind ihr Gut.
Zu suchen ihren Unterhalt
Entließ sie segnend ihre Lieben,
So stand sie nun allein und alt,
Ihr war ihr heit'rer Muth geblieben.

Sie hat gespart und hat gesonnen
Und Flachs gekauft und Nachts gewacht,
Den Flachs zu feinem Garn gesponnen
Das Garn dem Weber hingebracht;
Der hat's gewebt zu Leinewand;
Die Scheere brauchte sie, die Nadel,
Und nähte sich mit eig'ner Hand
Ihr Sterbehemde sonder Tadel.

Ihr Hemd, ihr Sterbehemd, sie schätzt es,
Verwahrt's im Schrein am Ehrenplatz;
Es ist ihr Erstes und ihr Letztes,
Ihr Kleinod, ihr ersparter Schatz.
Sie legt es an, des Herren Wort
Am Sonntag früh sich einzuprägen,
Dann legt sie's wohlgefällig fort,
Bis sie darin zur Ruh' sie legen.

Und ich, an meinem Abend, wollte,
Ich hätte, diesem Weibe gleich,
Erfüllt, was ich erfüllen sollte
In meinen Grenzen und Bereich;
Ich wollt', ich hätte so gewußt
Am Kelch des Lebens mich zu laben,
Und könnt' am Ende gleiche Lust
An meinem Sterbehemde haben.


(
Adelbert von Chamisso . 1781 - 1838)

Gedicht des Monats Januar 2011

Winternacht

(von Joseph von Eichendorff)

 

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab nichts, was mich freuet,
Verlassen steht der Baum im Feld,
Hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
Und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seinen Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.

Er träumt von künft'ger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.

Gedicht des Monats Dezember 2010

 

Der Dezember

 

Das Jahr ward alt. Hat dünne Haar.

Ist gar nicht sehr gesund.

Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.

Kennt gar die letzte Stund.

 

Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.

Ruht beides unterm Schnee.

Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.

Und Wehmut tut halt weh.

 

Noch wächst der Mond. Noch schnilzt er hin.

Nichts bleibt. Und nichts vergeht.

Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.

Nützt nichts, daß man's versteht.

 

Und wieder stapft der Nikolaus

Durch jeden Kindertraum.

Und wieder blüht in jedem Haus

Der goldengrüne Baum.

 

Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,

Wie hold Christbäume blühn.

Hast nun den Weihnachtsmann gespielt

Und glaubst nicht mehr an ihn.

 

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.

Dann dröhnt das Erz und spricht:

"Das Jahr kennt seinen letzten Tag.

Und du kennst deinen nicht!"

(Erich Kästner, 1899 - 1974)

Gedicht des Monats November 2010:

Spaetherbst

 

Der graue Nebel tropft so still

Herab auf Feld und Wald und Heide,

Als ob der Himmel weinen will

In uebergrossem Leide.

 

Die Blumen wollen nicht mehr bluehn,

Die Voegel schweigen in den Hainen,

Es starb sogar das letzte Gruen;

Was sollt' er da nicht weinen?

(von Hermann Allmers, geb. 22.02.1821, gest. 09.03.1902, "Marschendichter", Hofbesitzer in Rechtenfleth)

 

 

Das Gedicht des Vormonats:

Herbst

von Theodor Storm (1817 - 1888)

Schon ins Land der Pyramiden

Floh'n die Störche übers Meer;

Schwalbenflug ist längst geschieden,

Und die Sonne scheint nicht  mehr.

 

Seufzend in geheimer Klage

Streift der Wind das letzte Grün;

Und die süßen Sommertage,

Ach, sie sind dahin, dahin!

 

Nebel hat den Wald verschlungen,

Der dein stilles Glück gesehn;

Ganz in Duft und Dämmerungen

Will die schöne Welt vergehn.

[Anm. des Red.: "Duft" wurde früher im Sinne von "Nebel" gebraucht]

 

Nur noch einmal bricht die Sonne

Unaufhaltsam durch den Duft,

Und ein Strahl der alten Wonne

Rieselt über Tal und KIluft.

 

Und es leuchten Wald und Heide,

Daß man sicher glauben mag,

Hinter allem Winterleide

Lieg ein gold'ner Frühlingstag.

 

Die Sense rauscht,

Die Ähre fällt.

Die Tiere räumen schon das Feld;

Der Mensch begehrt die ganze Welt.

 

Und sind die Blumen abgeblüht,

So brecht der Äpfel goldne Bälle;

Hin ist die Zeit der Schwärmerei,

So schätzt man endlich das Reelle!

 

Das Gedicht fuer den Monat  Oktober 2010:

Kartoffellied

von Matthias Claudius, 15.08.1740 - 21.01.1815

 

Pasteten hin, Pateten her,

was kümmern uns Pasteten?

Die Kumme hier ist auch nicht leer

und schmeckt so gut wie bonne chere

von Fröschen und von Kröten.

Und viel Pastet' und Leckerbrot

verdirbt nur Blut und Magen.

Die Köche kochen lauter Not,

sie kochen uns viel eher tot.

Ihr Herren, lasst euch sagen!

Schoen rötlich die Kartoffeln sind

und weiss wie Alabaster!

Sie daeuen (*) sich lieblich und geschwind

und sind für Mann und Frau und Kind

ein echtes Magenpflaster.

(*) daeuen = verdauen

Jetzt ist wieder Kartoffelerntezeit. Aber kaum jemand weiss noch, dass einmal ein Loblied auf die Kartoffel verfasst wurde und dass es früher Schulferien für die Kartoffelernte gab. Ein Mensch mit dem Namen J. T. Tabernaemontanus soll im Jahr 1585 die erste botanische Beschreibung der Kartoffel verfasst haben, da hatten sie die Spanier gerade aus Amerika mitgebracht. 1588 kam die Kartoffel nach Deutschland - als Zierpflanze, wegen ihrer Blüten. Im Dreizigjaehrigen Krieg (1618 - 1648) wurde die Kartoffel zum Nahrungsmittel für die einfachen Leute. Pfälzische Bauern brachten sie dann nach Brandenburg-Preussen, wo sie Friedrich der Grosse seit 1756 anbauen liess.

Matthias Claudius wurde als viertes Kind des Reinfelder Pastors Claudius und als zweites Kind seiner zweiten Frau Maria, geborene Lorck, geboren. Im Januar 1771 zog Matthias Claudius nach Wandsbek und wurde dort zunaechst Redakteur der von Heinrich Carl von Schimmelmann initiierten und von J. J. Bode gegründeten Tages-Zeitung "Der Wandsbecker Bothe", die bis 1775 viermal pro Woche erschien. In der Franzosenzeit floh Claudius wegen der bedrängenden Kriegsereignisse um Hamburg nach Kiel und Lübeck.  Seine letzten Lebensmonate verbrachte der inzwischen Schwerkranke im Hause seines Schwiegersohnes, Friedrich Christoph Perthes, Am Jungfernstieg in Hamburg. Das Kartoffellied mit seinen antifranzösischen Tendenzen ist aber schon im Jahr 1783 entstanden. Da war Napoleon noch auf der Militärschule von Brienne/Frankreich.

 

 

 

 

Gedicht zu Pfingsten 2011 (12./13.Juni)

Das Gedicht des Monats ist diesmal ein Lied. Ein Lied aus der Zeit, als die Familie noch einen Ausflug per pedes, also zu Fuß machte. Heute interessiert man sich dafür eher für Stauwarnungen und Unfallmeldungen. Geschrieben hat es Heinrich (Hein) Köllisch), der von 1857-1901 in Hamburg, St. Pauli, lebte. Geschrieben ist es im Hamburger Platt (Niederdeutsch). Vorgetragen wurde das Lied in seinem eigenen Lokal, dem "Köllisch's Universum". Als es auf diese Weise bekannt wurde, ließ er es drucken und verkaufte dann die Handzettel, was das Lied zu einem Schlager der damaligen Zeit machte. Wenn Sie es hören möchten:  www.youtube.com  unter dem Suchwort: "De Pingsttour"

To Pingsten, ach wie scheun, - wenn de Natur so greun,
un all'ns na buten geiht, dat is een wohre Freid!
besünners vör de Göörn, - de heurt man räsoneern:
Weur Pingstn doch erst bloß- denn goht wie los!
Kümmt nu Pingstobend ran, - denn geiht'n Leben an,
de Mudder seept de Görn - vun achtern un vun vörn,
sünds wuschen nu un kämmt, - denn kreegt se`n reinet Hemd,
un denn geiht mit Gejuch - rin in de Puch!
De Vadder nu ton anner'n Morg'n - deit sick mit Proviant versorg'n:
Eier, Käs, Wust un Schinken, - ook verschiedenerlee to drinken.
Dormit keen Minsch de Tied verslopt, - treckt he noch den Wecker op,
un anner'n Morgen gegen soß, - dor schippert los de Troß.

De Vadder geiht voran, - een witte Maibüx an,
sien Jung kummt in de Mitt, - natürlich ook in Witt,
dorbi hebbts op den Kopp - een fien'n Strohhoot op,
all'ns sauber un mit Schick, - grood wie gelickt.
Un nu kummt achterher - mit't allerlüttste Göör,
in groot'n Kinnerwog'n - de Mudder angeschob'n.
De Dochter mookt den Sluß, - stolt, voller Hochgenuß,
in Arm mit ehren Freier, - een Piependreiher.
Een jeder, wehrnd se nu marscheert, op eeg'ne Fuust sick amüseert:
De Vadder vör, de kippt sick een, - de Jung dor achter grapst Sireen,
de Mudder mutt so in' Gedräng'n - den Lüttsten öfter dreug mol legg'n,
dat Liebespoor kummt achterher, de snackt von em un ehr.

 

So geiht't bitt Quellndol, - dor leggt man sick nu dohl
in't scheune weeke Moos, - nu geiht dat Futtern los.
Een jeder matt un meud - langt no de Bodderbreud,
se fallt doröber her - grood as so'n Bär.
Dormit dat beter rutscht, - ward ut de Buddels lutscht,
de Vadder un de Söhn, - de hollt sick an den Kööm,
un ook de Piependreiher - is op den Buddel Freier,
de Dochter un de Froo - mookt't ebenso.
Bi lütt'n ward de Krom fidel, - man heurt jem sing'n ut vuller Kehl:
Vun Edelweiß, de Wacht am Rhein, de Fischerin un Komm' Se rein!
De anner Siet de blarrt jedoch: Lebt denn meine Male noch?
Im Grunewald ist Holzauktion! Un denn noch Revolutschon.

 

Op eenmol, wie gemeen, - ehr eener sick versehn,
dor kummt vun boben dohl - een Regen kollosol!
De ganze Minschenschwarm - de kummt nu in Alarm,
de Froonslüd kriescht un jucht, - de Mannslüd flucht.
De Vadder springt nu op, - glitscht ut unfallt dorop
grood op den Kinnerwogen, - de kippt un fallt in Groben.
He mit sien witte Büx - recht in so'n deebe Pfütz,
mitsamt dat lüttje Göör, - wat een Malheur!
Een jeder socht nu Schutz to finn', de Minschen rennt dorch dick un dünn,
de Mäkens un de Froons vorop mit all' de Röck' hoch boben Kopp.
De Anblick is sehr int'ressant! Worum, dat liggt klor op de Hand:
Bi sowat kriggt man, as ick meen, verscheedenerlee to sehn.

 

Na endlich, no den Suus, - dor geiht dat nu to Huus,
de Vadder un sien Söhn - sünd nüdlich antosehn,
de scheune witte Büx - süht ut wie Stebelwix,
de Strohheud sünd so slapp - wie oles Papp.
De Brögam un de Brut, - de seht erst lecker ut!
De harr'n, wat sull'n se mooken, - sick beid' in't Hei verkropen.
Dat allerlüttste Göör - weur dorchnatt dör un dör,
de Mudder weur so natt - as wie so'n Katt.
De een schuwt achtern annern her grood wie de Geus, se könt nich mehr!
Un dorbi alle Ogenblick verswind mol eener achtern Knick.
Grood wie gerädert un half dood kummt se denn endlich an de Bood.
So ward in Hamborg Pingst'n fiert un sick fein amüsiert