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Auf dieser Seite finden Sie zur Zeit folgende Texte in dieser Reihenfolge:

 

- Haushalt in den späten 50iger Jahren

- Pressemitteilung zu unserem 50. Geburtstag im Jahr 2007

- Triumph des Nordens: Mitglied des Ortsverbands Bremerhaven im Bundesvorstand des Deutschen Hausfrauen-Bundes

- Pressemitteilung zur Jahreshauptversammlung 2008

- Pressemitteilung zur Jahreshauptversammlung 2009

 - Wertschöpfung für unbezahlte Leistungen im Haushalt (Pressemitt. Stat. Bundesamt)

 - "Händewaschen nicht vergessen!!"

 

Haushalt in den späten 50iger Jahren

Gewiß, es gibt ältere Menschen als mich. Aber immerhin stamme ich aus dem vorigen Jahrhundert, genauer: aus dem Jahr 1957. Im Januar des Jahres, in dem einige Hausfrauen sich zusammensetzten und den Ortsverband Bremerhaven des Deutschen Hausfrauen-Bundes gründeten, war aus einem jungen Paar eine Familie geworden. Meine Eltern - und das war für die damalige Zeit erstaunlich - lebten im eigenen Haus und hatten einen eigenen Haushalt. Als meine Eltern im Jahr 1951 heirateten, vier Tage vor der Volljährigkeit meiner Mutter (damals 21 Jahre), hatte mein Vater beschlossen, daß er nicht als Schwiegersohn mit Schlafsofa auf dem Flur bei seinen Schwiegereltern leben wollte. So ergriff er die Hand seiner Verlobten, meiner späteren Mutter, und die Gelegenheit, ein Anrecht auf ein Siedlungshaus in Surheide "mit Eigenleistung" zu erwerben. Das kam dem Entschluß gleich, nach Afrika auszuwandern. Surheide war damals noch ein relativ junger Stadtteil der Stadt Bremerhaven. In den Köpfen der Leute hieß es noch "Otto-Telschow-Stadt"; benannt nach einem Gauleiter aus der tausendjährigen Vergangenheit, der 1937 bei der Gründung des neuen Stadtteils zugegen war und sich gehörig hatte feiern lassen. Die Familie war entsetzt. "Was wollt ihr denn bei den Russen und Pollaken?" hieß es. Das war eine große Gemeinheit in zweierlei Sicht. Zum einen war die Familie W... vor wenigen Generationen selbst zugewandert, als Hilfs- und Gelegenheitsarbeiter aus Niederösterreich. Bemerkenswert sind dabei die vielen Drei-Monats-Kinder in der Familiengeschichte! Zum andern spielte die Bemerkung darauf ab, daß in der Siedlung Surheide nach dem Krieg zahlreiche Flüchtlinge aus dem Osten ihren Unterschlupf gefunden hatten. Surheide war seit Anbeginn mit dem Ruf behaftet, die Heimstatt der im Fischereihafen arbeitenden Menschen zu sein, also "nach Fisch zu riechen". Meine Eltern waren also in keine Villengegend gezogen! Daß sie tatsächlich sprichwörtliche "zehn Jahre hinter den Russen" lebten, sollten meine Eltern bald merken.

Das Haus war als Siedlungsstelle nach dem Reichheimstättengesetz projektiert, d. h. ein einfaches Einfamilienhaus wurde auf einem Grundstück errichtet, groß genug, um als Nutzgarten für die Selbstversorgung der Familie auszureichen. Erst im Jahr 1993 wurde dieses Gesetz aufgehoben, Bedeutung hatte es da nur noch für Vererbung und Verkauf des Grundstücks. Der Bauplan sah noch einen Raum des Hauses als Schweinestall vor, heute ist dort das Badezimmer. Die Toilette sollte ein einfaches Brett mit Loch sein; darunter stand ein Kübel, dessen Inhalt als organischer Dünger im Garten verteilt werden sollte. Allerdings wurde sogleich eine Toilette mit Wasserspülung und eine Güllegrube eingerichtet. Der Anschluß an den Abwasserkanal fand erst Mitte der 60iger Jahre statt. Bis dahin kam regelmäßig die "Fäkalienabfuhr", um die Abwässer abzusaugen und abzufahren. Man war sparsam mit dem Wasser, daß später in die Güllegrube gelangte! Zunächst war nur die Toilette angeschlossen. Alles andere wurde im Eimer in den Garten getragen. Der sogenannte Gossenstein in der Küche führte nur zu einem Loch in der Wand, das Abwasser versickerte.

Die "zehn Jahre hinter den Russen" als Maß des Abstandes zur Zivilisation bewahrheiteten sich für meine Eltern auf unangenehme Weise. Natürlich waren sie in den Anfangsjahren nicht motorisiert. Mein Vater fuhr mit dem Fahrrad zum Dienst bei der Feuerwehr in Bremerhaven-Wulsdorf oder Geestemünde. Erst als ich zur Schule kam, fuhr er mit einem Moped der Marke NSU Quickly, das allerdings selten ansprang. Als ich dreizehn wurde, kaufte mein Vater einen alten Lloyd 400, der bei Kauf genauso alt war wie ich. In den ersten Jahren nach dem Zuzug war Surheide nicht einmal an das Netz des örtlichen Verkehrsbetriebs angeschlossen. Wer in die Stadt wollte, mußte einen langen, bei schlechtem Wetter einen sehr langen, Kilometer bis nach Wulsdorf oder bis zum Schiffdorferdamm auf unbefestigter Straße laufen. Vom Schiffdorferdamm aus konnte man mit dem Bus in die Innenstadt fahren. Erst nach ein paar Jahren leistete der Bus sich den Luxus, am Schiffdorferdamm abzubiegen und die Surheider Fahrgäste aufzusammeln. Das kostete dann extra Fahrgeld. Meine Mutter, die in den ersten Jahren noch im Fischereihafen arbeitet - "im Büro" wie zuhause immer wieder betont wurde - mußte vorher um 1/2 sechs Uhr das Haus bei Wind und Wetter oder Nacht und Nebel verlassen, um auf matschigem Weg zum Schiffdorferdamm zu laufen. Von dort brachte sie der Bus zum Hauptbahnhof, von dem sie mit der Straßenbahn weiter in den Fischereihafen fuhr. Ja, wenn die Bahn in den Fischereihafen fuhr. Sonst mußte sie die letzten beiden Kilometer eben auch laufen. Abends gegen sieben war sie dann wieder zu Hause, um sich um den Haushalt zu kümmern. Vater hatte Vierundzwanzigstunden-Dienst. Mittags 12.00 Uhr begann die Schicht, am nächsten Tag um 12.30 Uhr endete sie. Daheim kümmerte er sich um Haus, Werkstatt und Garten. In den ersten zwanzig Jahren hat er noch viel gemacht in Haus und Garten. Haushalt und die Erziehung des einen Kindes waren Sache seiner Frau. Auch die Regelung der finanziellen Belange der kleinen Familie, was bedeutete, die Decke an allen vier Ecken lang zu ziehen. Mein Vater ließ sich immer nur ein Taschengeld zuteilen, gestand aber auch eine gewisse Unbedarftheit in geldlichen Dingen ein. Das "Wirtschaftswunder" ist an uns spurlos vorbei gegangen; wenn andere Leute Überstunden machten, beschränkte sich unser Familieneinkommen auf das Gehalt eines Beamten im einfachen Dienst. Da mußte man schon rechnen können!

An größere Einkäufe kann ich mich zu Zeiten meiner Kindheit nicht erinnern; Supermärkte im heutigen Stil gab es zu damaligen Zeiten noch nicht. Dafür hatte der kleine Vorort aber eine ausgeprägte Infrastruktur. Ich kann mich an sechs Lebensmitteleinzelhändler erinnern, mögen sie auch nicht alle gleichzeitig existiert haben. Davon war wohl der Größte der Laden der Konsum-Genossenschaft. Hier mußte man "Genosse" sein, Genossenschaftsanteile erwerben, um dort einkaufen zu können. Die Kunden wurden durch niedrige Preise und gute Rendite auf die eingezahlten Anteile geködert. Ich erinnere mich noch, wie böse meine Eltern waren, als die Genossenschaft aufgelöst wurde und sie nur einen Bruchteil ihres Geldes zurück bekamen. Das Ladengeschäft war zuerst in einem etwas größerem Haus untergebracht, in dem später eine Wirtschaft betrieben wurde. Danach zog der einfach nur "Konsum" genannte Laden in ein typisches eingeschossiges Flachdachgebäude der 60iger Jahre um. Hier wurde viel gekauft. Ich kann mich aber besonders an das Lecithin-Brot erinnern, ein Weizenmischbrot, wegen dessen ich häufiger zum Laden geschickt wurde. Der zweitgrößte Laden hatte für meine Mutter eine besondere Bedeutung. Es war ein Familiengeschäft, zwei Generationen arbeiteten und lebten unter einem Dach zusammen. Erst die dritte Generation strich vor ein paar Jahren gegenüber der Konkurrenz der Supermärkte die Segel. Das Sortiment reichte von Mazisblüte bis zu Stacheldraht. Seine besondere Bedeutung gewann das Geschäft für meine Mutter durch den Umstand, daß die Sparkasse ihren Kunden keinen Überziehungsrahmen einräumte. War auf dem Konto plus/minus Null, gab es kein Geld mehr! Der Inhaber des Ladens, Patriarch der zweiten Generation, nahm in den letzten Tagen eines Monats schon mal einen Scheck an, der auf den nächsten Monat vordatiert war. Im dritten Laden haben wir eigentlich kaum gekauft; dieses Geschäft verdankte seine Marktstellung dem Geschäftszweig, dem sich der Inhaber zugewandt hatte: er zog mit einem Handwagen durch die Straßen und verkaufte Milch "lose" aus dem Milchtank. Dazu hatte er eine besondere Mechanik: er ließ einen zylinderförmigen Behälter, der beweglich am Tank angebracht war, mit Milch voll laufen - ein halber Liter, soweit ich mich erinnere - , drehte den Zylinder um und ließ die Milch in die Milchkannen der Kundinnen fließen. Zwei weitere Läden und ein dritter, der erst viel später hinzukam, hatten für unsere Einkäufe eigentlich keine Bedeutung, da sie zu weit entfernt lagen und eigentlich nur jeweils aus einem kleinen Raum bestanden. Das Angebot war aber trotzdem erstaunlich umfangreich. Es gab auch noch eine Drogerie, deren Angebotspalette manch heutigen Drogeriefachmarkt in Verlegenheit versetzt hätte. Von Gummiwaren, deren Bedeutung und Beschaffenheit mir lange Jahre verschlossen blieben, über Schwefelfäden (die wurden zum Ausräuchern, d. h. zur Entwesung, der Keller und Ställe genutzt) bis zum Portlandzement gab es alles. Und was nicht vorrätig war, wurde innerhalb von wenigen Tagen beschafft. Zwei Bäcker sorgten für das Wohl der Kunden. Der eine davon ist mir wegen seines besonders schmackhaften gedeckten Apfelkuchens in angenehmer Erinnerung. Man ging einige Stufen zur Eingangstür eines Einfamilienhauses empor, stand aber, sobald man dir Haustür öffnete, statt im Flur im Verkaufsraum der Bäckerei. Das Erscheinungsbild des Inhabers prägt bis heute mein Bild eines typischen Bäckers: mit karierter Hose, die kurze Schürze davor, weißem Unterhemd und der etwas schief sitzenden weißen Baumwoll-Kappe auf dem Kopf bediente er die Kundschaft. Seine Backwaren standen in gutem Ruf. Zwei Friseure sorgten sich um die Köpfe der Kunden; bei den Damen waren "Wasserwelle" und "Dauerwelle" im Gespräch, bei mir hieß es kurz: "Rund oder Fasson?". Ein Schlachter versorgte die Kundschaft. Zu dem ging meine Mutter lieber selber hin, nachdem ich kleiner Dummkopf statt "ein Kilo Gehacktes halb und halb, bitte" ("Aber das Bitte und Danke nicht vergessen!") eigenmächtig die Bestellung auf "ein Kilo Hackepeter, bitte" umgeändert hatte. Meine frühkindliche Zerstreutheit muß damals ein großes Loch in die Haushaltskasse gerissen haben; meine Mutter war sehr böse! Sogar ein Eiscafé hat es in Surheide gegeben! Das war aber nichts für meine Eltern, und mein Taschengeld reichte höchstens für ein Blatt Eßpapier. Wirtschaften gab es nach meiner Erinnerung vier. Das mag aber nicht stimmen, mein Interesse für den Ausschank alkoholischer Getränke erwachte erst später. Nur bei Mutter Opitz waren meine Eltern und ich häufiger zu Gast, nach langem Spaziergang oder, in späteren Zeiten, Spazierfahrt, sozusagen als Erholung für den Rest der Heimreise. Die Wirtschaft, der Ausdruck "Gaststätte" würde es in allen vier Fällen nicht treffen, lag auf halben Wege am Vieländer Weg, dort, wo jetzt die Autobahn die Straße kreuzt. Dann gab es noch in meinen Kindertagen die Poststelle. Das war ein hoher, dunkler Schreibtisch, der nach meiner Erinnerung in einem vom Hausflur abgehendem Wohnzimmer stand. Später bekam die Post im Vieländer Weg ihre eigenen vier Wände, eine Filiale von etwa 10 qm mit Vorraum für die Kunden, die heute aber auch geschlossen ist. Ähnlich wie die Poststelle sah die Agentur der Krankenkasse aus. Als ich einmal von der Schule mit Ohrenschmerzen nach Hause geschickt wurde, mußten wir zunächst diese Agentur, die von unserem Haus weiter entfernt war als der Arzt, aufsuchen. Ich erinnere mich an einen dunklen Raum, in dem an einem schwerem Schreibtisch mit hohem Aufsatz der erbetene Krankenschein ausgestellt wurde. Und an die erbosten Worte meiner Mutter, als ich nach Hause kam: "Wehe dir, wenn der Doktor nichts findet!" Bei allen Schmerzen war ich doch sehr froh, als der Arzt eine Mittelohrentzündung diagnostizierte. Wahrscheinlich war für die Ausstellung des Krankenscheins eine Gebühr fällig geworden oder ein Bonus weggefallen; sonst kann ich mir den Zorn meiner Mutter nicht erklären. Einen Arzt gab es schon immer in Surheide, so verlangte es das Reichsheimstättengesetz; es gibt ihn auch heute noch, im Gegensatz zu den anderen Geschäften und Büros, die ich hier beschreibe. Die Sparkasse machte sich gerade seßhaft: einmal die Woche hielten zwei oder drei Sparkassenangestellte Bürozeit in einem Klassenraum der Surheider Schule. Später baute sich die Sparkasse ein eigenes Haus mit einer kleinen Filiale im Stadtteil; jetzt sind sie dort wieder ausgezogen, Bürozeit ist nur noch einmal die Woche. Wie in der Anfangszeit. Auch eine Fischräucherei und einen Schuhmacher gab es in Surheide. Und einen Zeitschriftenladen - der Begriff 'Kiosk' kam erst später auf. Dieser Laden ist heute ein Wohnzimmer. Eine Gärtnerfamilie war nach dem Krieg aus Königsberg kommend in Surheide gestrandet; die Gärtnerei gibt es heute noch. Auch eine Heißmangel gab es natürlich in Surheide. Dort gab es immer Ärger, wenn die Wäsche zu sehr eingesprengt war: "Machen Sie doch Ihre Wäsche nicht immer sooo naß!" Die Frauen in der Heißmangel standen dann immer im Dampf der aufsteigenden Feuchtigkeit.

Nur eine Hebamme gab es in Surheide nicht. Bei meiner Geburt mußte sie extra zu Fuß aus Wulsdorf herüber kommen. Ich muß gestehen, obwohl ich dabei war, sind meine Erinnerungen an diesen Tag etwas dürftig. Meine Eltern hatten sich für eine Hausgeburt entschieden. Als Grund wurde mir später erzählt, daß meine Mutter Angst vor einer Kindsverwechslung im Krankenhaus gehabt habe. Die Hebamme, von meinem Vater gerufen, verbrachte den Tag und die Nacht im Haus. Später erzählte meine Mutter immer wieder, wie schockiert sie gewesen sei, daß "diese Frau" sich in ihrer Küche die Haare gewaschen habe. Als es soweit war, rannte mein Vater zur Praxis des Arztes und der wußte Bescheid, kam sofort "mit kleinem Gepäck" und übernahm die Leitung des Geschehens. Ich habe mir dann aber noch ein paar Stunden Zeit gelassen. Heute wäre ich mit einem Kaiserschnitt auf die Welt gekommen. Damals wurden Hausgeburten ohne den Hintergrund einer aufnahmebereiten Geburtsklinik durchgeführt. Und den transportablen Inkubator, den lebensrettenden Brutkasten, gab es noch nicht. Getauft worden bin ich in Schiffdorf; Surheide hat erst seit 1970 eine eigene Kirche. Die frühe Kinderzeit verbrachte ich in Haus, Garten und auf der Straße vor dem Haus. Nennenswerten Straßenverkehr gab es damals noch nicht; keiner mußte sich Sorgen machen, wenn ein kleiner Pöks auf der Straße herumturnte. Der Garten, groß und geheimnisvoll - wie für einen Dreikäsehoch eigentlich alles groß und geheimnisvoll war - war da schon gefährlicher. Wegen der fehlenden Kanalisierung war der Grundwasserspiegel weitaus höher als heute, die Gärten waren viel nasser wie gegenwärtig, teilweise waren es Schlammwüsten. So konnte meine Mutter eines Tages ihren schlammverkrusteten Sprößling bewundern, die allgemeine Feuchtigkeit noch mit den Augen vermehrend, unter kräftigem Geräuschpegel, der überhaupt meine Mutter alarmiert hatte, wie er nur mit einem Gummistiefel an den Füßen sich an den Gartenzaun klammerte. Der Schlammzwerg wurde erstmal abgeborgen, unter den Wasserschlauch gestellt, trocken gerubbelt und das Geschrei abgestellt. Dann ging meine Mutter der Trittspur nach und fand richtig in einem vom Fuß hinterlassenen Loch der Spur den inszwischen vollgelaufenen Gummistiefel. Das Reinigungsritual lief eigentlich immer so ab, auch bei den Nachbarskindern war es üblich: der Nachwuchs wurde auf den hauseigenen Hof beordert, mußte sich dort der schmutzigen Schuhe oder Gummistiefel und der Oberbekleidung entledigen. Bei annehmbaren Wetter stand die kleine Zinkwanne bereit, um den Schmutz der Grobreinigung aufzufangen. Meist wurde hierzu Regenwasser genommen, das ja nicht so kalt war wie Wasser aus der Leitung, und ja eben auch nichts kostete. Erst danach wurden die Gestalten, die jetzt wieder den eigenen Kindern glichen, ins Haus gelassen.

Einige Jahre nach meiner Geburt erschien die Zeitschrift ELTERN auf dem Markt und machte den Müttern und Vätern das Leben schwer, sagte sie einem doch, was man alles falsch machte in der Erziehung seiner Sprösslinge. Ich bin ohne gute Ratschläge aus Zeitschriften groß geworden. Manchmal auf recht eigenwillige Art. Als Linkshänder bin ich auf die Welt gekommen. Meine Mutter dressierte mich konsequent auf Rechtshänder um: "Hast du schon mal Werkzeug für einen Handwerker gesehen, der Linkshänder ist?" Später betonte sie immer wieder, sie habe nie gesagt: "Nimm das liebe Händchen!", denn es seien ja beide Hände "lieb"! Ich habe im Januar Geburtstag und bekam eines Jahres eine verkleinerte Hobelbank - mein Vater hatte sie selbst gebaut - als Geschenk. Natürlich mit richtigem Werkzeug und Holz zum "Arbeiten". Da meiner Mutter die Unmöglichkeit klar war, die Werkbank draußen in der kalten Werkstatt aufzustellen, wurde sie einfach in der Küche aufgestellt; Hobel- und Sägespäne wurden schlicht zusammengefegt, wenn ich "Feierabend" machte! Schmeckte mir das Mittagessen nicht und ich aß "mit langen Zähnen", durfte ich im Badezimmer, auf dem Rand der Badewanne sitzend, weiteressen. Nur eines geriet ihr kräftig daneben: als sie mich einmal im Keller einsperrte und das Licht ausmachte, mußte sie feststellen, als sie mich nach einiger Zeit wieder holen wollte, daß ich im Dunkeln mit den Kartoffeln und den goßen Bohnenkruken fröhlich "Kaufmannsladen" spielte. Man kann sagen, daß wir heute im Plastikzeitalter leben, Holzlöffel, Kleiderbügel und vieles andere sind aus Plastik. Ich bin im Holzzeitalter groß geworden: derlei Dinge waren aus Holz. Und das zu meinem Glück, ist Holz doch weniger stabil als Plastik. Wie ich schon sagte, war die Erziehung des einen Kindes die Sache meiner Mutter. Wenn es ihr notwendig erschien, setzte sie dazu auch solche handgreifliche Dinge wie Holzlöffel oder Kleiderbügel ein. Dabei zerbrach das eine Mal ein Holzlöffel auf meinem verlängerten Rücken und das andere Mal ein Kleiderbügel. Ich denke, das hat ihr hinterher sehr leid getan, denn der Holzlöffel war in der Küche unverzichtbar und der Bügel im Kleiderschrank; für beides mußte Ersatz gekauft werden. Ursache für den Kleiderbügel war, daß ich, ich war damals noch nicht in der Schule, im Monat August nachmittags allein zum fünfzig Meter entfernten Schützenfest gegangen war, natürlich mit Abmeldung: "Mama, ich geh mal ...", und mich, durch die lange Helligkeit getäuscht, erst spät auf den Heimweg gemacht hatte. Noch im Alter von siebzehn Jahren hatte ich um halb Zehn zu Hause zu sein. Ein Umstand, der die Teilnahme an Klassenfesten unmöglich machte, denn die fanden in der Schule in Geestemünde statt und ich mußte von dort den Bus um zehn nach Acht nehmen, um pünktlich in Surheide zu sein. Dann fingen solche Feten erst an.

Ein Kindergarten war in Surheide vorhanden. Ich kannte sogar "die Tante vom Kindergarten", weil sie auf ihrem Arbeitsweg jeden morgen an unserem Haus vorbeiging. Trotzdem zogen es meine Eltern vor, mich nicht vor Beginn der allgemeinen Schulpflicht fremden Erziehungsbemühungen auszusetzen. Auf meine drängenden Fragen hin, ich sah ja die Kinder im Kindergarten auf der Nachbarschaft gemeinsam im Freigelände spielen, wurde mir gesagt, "dort lernt man nur schmutzige Wörter". Ich habe das sogar geglaubt, später die schmutzigen Wörter jedoch trotzdem gelernt. Die Kindergartengebühren werden aber auch eine Rolle gespielt haben. Meine Mutter hatte schon vor der Geburt aus gesundheitlichen Gründen ihre Arbeit aufgegeben, so war sie den ganzen Tag zu Hause oder - mit mir im Schlepptau - bei ihren Eltern, später im Krankenhaus bei ihrem Vater. Während meiner frühen Kindertagen wurde sie von Kopfschmerzattacken heimgesucht. Später, ich war da sieben Jahre alt, erkrankte sie an Gelenkrheuma, an chronischer Polyarthritis. Meine Kindheit und Jugend wurden durch Krankheit geprägt; später erkrankte auch mein Vater.

Die Surheider Schule spielte im Gemeinwesen eine besondere Rolle. In den Kriegsjahren geplant, hatte sie im Keller einen riesigen Luftschutzbunker. Den durften wir aber nie betreten, das machte ihn umso geheimnisvoller. Die Reichsheimstätten des jungen Stadtteils Surheide hatten, so wie sie geplant waren, nur sehr einfache sanitäre Einrichtungen. Deshalb war ein Gebäudeteil der Schule mit Wascheinrichtungen, Duschen, Badewannen, einem großen Heizkessel und natürlich entsprechenden Umkleideräumen ausgestattet worden. Die Schule sollte das Zentrum der Sauberkeitsbemühungen des aufstrebenden Stadtteils sein. Allerdings hatten im Jahr 1957 bereits fast alle Häuser eigene Badezimmer mit Wanne und Badezimmerofen, einem holz- oder kohlebeheizten Ungeheuer, das unten beheizt, oben einen großen Wasserbehälter mit angehängter Handbrause besaß. Oder es wurde mit dem Waschkessel Wasser für die Badewanne erwärmt.

Nachdem mein Großvater erkrankte (er verstarb 1964), bekamen wir schon recht früh eine Waschmaschine, "Frau Miele" genannt. Es war selbstverständlich, daß die Wäsche meiner erkrankten Großeltern, der Eltern meiner Mutter, bei uns gewaschen wurde. Der Transport, meine Großeltern wohnten in Lehe, erfolgte mit dem Bus. In den ersten Jahren nach meiner Geburt wurde die Wäsche noch mithilfe von Waschkessel und Badewanne gewaschen. Der besondere Luxus war der Wasserhahn direkt neben dem Waschkessel. Mit kurzem Schlauch konnte der Kessel direkt befüllt werden. Holz und Kohlen waren die Heizmaterialien. Der Waschkessel war ein wuchtiges Ungetüm aus Zement. Er bestand eigentlich aus zwei Zementzylindern von unterschiedlichem Durchmesser. Der untere, mit zwei Klappen zum Beheizen, hatte einen geringeren Durchmesser, der obere mit dem größeren Durchmesser enthielt einen riesigen Kupferkessel für das Wasser. Unten an der Seite des oberen Zylinders war ein kleiner Wasserhahn zum Ablassen des Wassers. Der Kessel war natürlich viel größer als ich. Es müssen einige Männer erforderlich gewesen sein, um das schwere Ding in der Waschküche aufzustellen. Zur Beseitigung genügte ein großer Hammer. Die notwendigen Utensilien zum Waschen habe ich heute noch, sie wurden für "schlechte Zeiten" aufbewahrt und auf den Dachboden gestellt: zwei Zinkwannen, Wäschestampfer und Waschbrett, auf dem man so schön Musik machen konnte. In diesen Tagen gab es das häusliche Baderitual: das letzte Spülwasser wurde statt in den Garten in die Badewanne geschüttet. Dann wurde der Waschkessel noch einmal neu befüllt und mit der Resthitze des verglimmenden Feuers erwärmt. Erst wurde ich in die Badewanne gesteckt, dann kam meine Mutter und mein Vater mußte mit dem leicht schmuddeligen Badewasser vorlieb nehmen, das übrig blieb. Zwischendurch wurde immer mal wieder ein Eimer heißes Wasser aus dem Kessel hinzugeschüttet. Als Baby wurde ich in der Küche gebadet; in späteren Jahren durfte ich in der kalten Jahreszeit mich auch in der Küche waschen. Dort machte es der Kohleherd immer schön warm.

Wenn es sehr kalt war, durfte ich zum Frühstücken meinen Stuhl auch neben den Küchenherd schieben. Eigentlich konnte man es nur dort aushalten. Die Schlafzimmer waren, wie das übrige Haus, natürlich unbeheizt. Im Wohnzimmer wurde nur geheizt, wenn angesagter Besuch oder das Weihnachtsfest es erforderten. Der Ofen in der Stube war schon recht luxuriös: es war ein Sparbrenner, der Anthrazit, eine harte, hochwertige, gasarme Kohle, fraß. Er mußte nur alle vierundzwanzig Stunden mit Kohle befüllt werden. Zum Kochen hatte meine Mutter zwei Herde: den einen in der Küche und den zweiten im sogenannten Schweinestall hinter der Waschküche. Wenn es zum Beispiel Fisch oder Kohl gab, wurde der zweite Herd befeuert. Das hielt die Gerüche aus dem Haus. Alle Herde mußten natürlich täglich gereinigt werden. Die Asche wurde im Garten verteilt, im Winter als Streumaterial gebraucht. Die Kohle lagerte im Keller; meine Mutter mußte täglich mit dem Kohleeimer in den Keller und mit dem Aschkasten nach draußen laufen. Später wurde dann der Küchenherd durch einen Elektroherd ersetzt; der Kohleherd blieb zum heizen zunächst in der Küche stehen. Anfang der siebziger Jahre wurde eine Zentralheizung eingebaut, die zunächst mit Koks, später dann mit Gas beheizt wurde. Damit wurde es dann im ganzen Haus langsam wärmer. Koks und Asche und die Reinigung der Züge wuchsen in meinen Aufgabenbereich hinein.

Ein Spültuch, einen Schwamm oder eine Spülbürste gab es in meinen Kindertagen nicht in unserem Haushalt. Dafür war kein Geld übrig. Mein Großvater war früher zur See gefahren. Überbleibsel dieser Seefahrenszeit war ein Stapel frottierter Unterwäsche, die, in passende Stücke geschnitten, zur Kochwäsche geeignet und immer mal wieder gewaschen, ihren Dienst beim Geschirrspülen taten. Ein bei meiner Mutter beliebtes Reinigungsmittel war Stückensoda, Natriumcarbonat, das in Wasser gelöst eine kräftige Lauge ergab. Das Stückensoda wurde lose in Tüten in der Drogerie gekauft; es durfte aber kein feines Pulver sein - nur das Soda in Stücken (kristallisiertes Soda) war das gute! Die Vorzüge von "brauner Seife", die Handelsbezeichnung lautet Haushalts-Schmierseife, weiß ich heute noch zu schätzen. Stein-, Linoleum- und Holzfußböden wurden damit geschrubbt, aber auch der Keller einer Grundreinigung unterzogen. Statt wohlriechendem Schaumbad kam in meiner Kinderzeit ein Klacks braune Seife in das Badewasser. Die Schmierseife stand in dem Ruf, nicht nur gut zu reinigen, sondern auch den Heilungsprozeß von Wunden oder Schrammen, von denen ich als Kind viele hatte, zu fördern. Waschmittel hieß bei uns nur Persil; ich muß aber gestehen, daß ich nicht mehr weiß, welche Waschmittelmarke tatsächlich eingekauft wurde.

Einen Kühlschrank oder einen Gefrierschrank kannte ich als Kind nicht. Neben der Küche war die Treppe zum Keller. Und im Keller stand das Oberteil eines alten Küchenbüfetts, auf hölzerne Beine gestellt. Von den Glastüren war eine Glas durch Fliegendraht ersetzt worden. Dahinter standen die kühl zu lagernden Lebensmittel, wie Auflage, Butter, Milch oder das Fleisch für den nächsten Tag. Im Winter wurde schon mal etwas ins Freie gestellt oder gehängt, natürlich gut verpackt wegen des Ungeziefers und der streunenden Tiere aus der Nachbarschaft. Brot und die Dosenmilch hatten ihren Platz hinter einer Klappe im Küchenschrank. Im Sommer Sahne schlagen war ein Problem. Die Sahne war nicht kalt genug und meine Mutter nannte nur einen kurbelbetriebenen Handquirl ihr eigen. So wurde die Sahne nicht steif. Konnte man auf die Schlagsahne nicht verzichten, wurde ich zum Laden geschickt, dem mit den vordatierten Schecks. Die hatten einen Kühlschrank, darin stand die Sahne, die sie verkauften, und vor allem: sie hatten ein elektrisches Handrührgerät! So stand die Chefin im Flur des Hauses - besonders an Sonn- oder Feiertagen - und fertigte für die Kundschaft Schlagsahne. Schüsseln waren mitzubringen. Bei uns wurde der elektrische Handrührer erst Ende der sechziger Jahre zum Bestandteil der Kücheneinrichtung. Außer dem Elektroherd gab es bis dato keine elektrischen Geräte in der Küche. Zur 'Wäschepflege standen Nähmaschine und elektrisches Bügeleisen neben der Waschmaschine - siehe oben - zur Verfügung. Meine Mutter hat für uns drei auch viel selbst geschneidert. Damit erschöpfte sich auch der Bestand an elektrischen Haushaltshelfern. Der Staubsauger wurde erst in späteren Jahren ein Teil der Haushaltseinrichtung. Zuvor galt es: Teppich zusammennrollen, raus über die Teppichstange, klopfen, bürsten, lüften und wieder rein in die gute Stube. Im Frühjahr sehr zur Freude der kleinen Meisen, die sich vom hängenden Teppich manch kleinen Bausch zupften, um ihr Nest zu gestalten. Ein fester Einrichtungsgegenstand der Küche war das Radio der Marke "Nordmende - Fidelio", ein Röhrengerät. Transistoren waren damals zwar schon erfunden, die Industrie baute aber immer noch fleißig großvolumige Röhrengeräte, die ein Prunkstück für jeden Raum waren. Das Radiogerät war die Verbindung meiner Mutter zur Außenwelt, es lief bei fast jeder Hausarbeit. Ich kann mich noch an den hohen Anteil von Wortbeiträgen im Rundfunk erinnern. Auch an Peter Frankenfeld als Radiosprecher - der Moderator war noch nicht erfunden. Leider ließ mein damals fehlender Sinn für Humor eine intensivere Teilhabe an dergleichen Sendungen nicht zu. Rudolf Schock und Peter Alexander, im gleichen Alter wie mein Vater, waren Sänger, die in unserem Haus sehr beliebt waren. Ein Fernseher wurde erst zum Hausgenossen, als ich schon das Gymnasium besuchte.

Gekocht wurde jeden Tag. Die Zeit des Mittagessens hing davon ab, ob mein Vater zum Dienst ging oder vom Dienst kam. Ging er, war um 11.30 Uhr Essenszeit, kam er, um 14.00 Uhr. Jedoch gab es fast nie Dosenkonserven. Dafür standen etwa zweihundert Einmachgläser, auch Weckgläser genannt, voll oder leer im Keller. Alles was der Garten her gab, oder auch was wir geschenkt bekamen, wie zum Beispiel Fallobst, wurde "eingeweckt". So gab es in der Küche regelrechte Kampagnen: wenn die Bohnen reif waren, wenn die Karotten gezogen werden konnten, wenn es genügend Erbsen gab, wenn gefallene Äpfel eimerweise ankamen, wenn der Birnbaum uns seine harten Früchte lieferte. Auch Kohlrabi ernteten wir, aber mit zunehmend mäßigem Erfolg: die Kohlhernie, eine Pilzerkrankung der Wurzeln, hatte unsere Gartenerde verseucht. Porree gab es in den ersten Jahren immer nur zum sofortigen Verbrauch, er wurde nicht eingemacht, hielt sich aber bis zum Winter in der Gartenerde frisch. Erbsen und Bohnen wurden auf zweierlei Art geerntet. Einmal frisch vom Strauch oder später getrocknet und aus der Hülse geschlagen, zur getrockneten Aufbewahrung im Stoffbeutel. Daraus wurden später Eintöpfe bereitet, für die ich mich als Kind nicht begeistern konnte. Die Bohnen wurden auch zu Schnippelbohnen verarbeitet, kleingeschnitten wurden sie mit Salz in der Tonkruke eingelegt und hielten sich einige Monate. In anderen Gegenden sagt man Faßbohnen zu dieser Konservierungsart. Ein Feld mit Frühkartoffeln wurde immer angelegt, um in der Zeit der Teuerung nicht im Geschäft kaufen zu müssen. Zum Winter wurden aber immer zwei Zentner Kellerkartoffeln hinzugekauft und eingelagert. Ein paar Reihen Erdbeerpflanzen gab es auch, mir zuliebe! Ich konnte mich nicht für alles begeistern, was aus dem Garten kam. Es geriet bei meiner Mutter leicht zum Übermaß. Gab es Rhabarber, dann gab es gleich zu jeder Mahlzeit Rhabarber, als Kompott oder als Rhabarberreis. Gab es Stachelbeeren, dann gab es auch nichts anderes. Waren die Birnen soweit, kam alles, was nicht eingemacht wurde, als Birnenkompott auf den Tisch, fast Tag für Tag. Es durfte ja nichts umkommen, bewahre! Die schwarzen Johannesbeeren, nein, die gab es nicht als Kompott. Daraus wurde Gelee gemacht. Freude haben mir die Johannesbeerbüsche trotzdem nicht gemacht. Sie bildeten keine Rispen aus und das Abernten der Früchte war eine scheußliche Arbeit. Erst in späten Jahren, als ich entdeckte - und entdecken durfte - das schwarze Johannesbeeren, wenn man sie mit Zucker in Doppelkorn einlegt, etwas köstliches sind, gewann ich Interesse an den Büschen, aber da waren sie alt und wurden abgeholzt. Der grüne Salat hatte ein ähnliches Schicksal wie das Obst: es gab ihn überreichlich im Garten und das scheinbar alles zu einer Zeit. Dann gab es praktisch zu jeder Mittagsmahlzeit Salat, angemacht mit Essig und Öl. Die Alternative war damals für meine Mutter Öl und Essig. Erst später, praktisch in den Jahren, als ihr Sohn zu kochen begann, fand sie Interesse an anderen Zubereitungsarten. Nur eine Gartenfrucht fand ich toll: Radieschen, natürlich vom eigenen Gartenbeet. Und dann auch noch als eine der ersten Gartenfrüchte, die es zu ernten gab. Bei den Karotten, bei uns einfach nur Wurzeln genannt, sperrte ich mich heftig gegen das Kochen; "gib uns die Wurzeln doch lieber so" maulte ich. In meiner frühen Kinderzeit waren Darmwürmer ein - nein, eigentlich kein Problem. Kinder hatten sie einfach! Oben habe ich von der Güllegrube erzählt. Deren Inhalt wurde bisweilen ausgeschöpft und auf dem Nutzgarten verteilt, als preiswerter organischer Dünger. So entstand ein Kreislauf, und das Wirtstier dieser Darmwürmer war nun eben der Mensch. Ansonsten kam alle zwei Jahre wieder ein Fuder Kuhmist vom Bauern, den gab es damals noch reichlich. In den ersten Jahren lieferte der Bauer mit Pferd und Wagen an. Aus der Zeit gibt es Bild von mir, hoch zu Roß! Später kam er mit Traktor und Düngerstreuer, das war ein Anhänger, der sich selbst entlud.

Tiere hielten wir auch. In der Werkstatt gab es ein paar Ställe für Fleischkaninchen und einen Hühnerstall. Die Hühner hatten ihren eigenen umzäunten Auslauf. Frei laufen durften sie nicht, das hätte Ärger mit den Nachbarn gebracht. Denen reichte schon, wenn ich frei rumlief! Das Futter für die Kaninchen kam gleich von der grünen Wiese um die Ecke; jetzt ist da alles zugebaut. Für die Hühner wurde Mais dazugekauft, entweder bei einem Nachbarn, der nebenbei mit Tierfutter handelte oder in der Mühle in Schiffdorf. Die Hühner verschwanden aber bald im Kochtopf, sie waren anscheinend nicht bereit, die Anzahl von Eiern zu legen, die meine Eltern von ihnen erwarteten. Und Hühnerfutter und Eier zu kaufen, das war zuviel! Unser nächster Nachbar hatte eine ganze Kaninchenzucht, etwa zwanzig bis dreißig Tiere mögen es gewesen sein. Als in den 80iger Jahren ein zugezogender älterer Nachbar sich Kaninchen zulegte, wurde er von seinem alteingesessenen Nachbarn wegen Geruchsbelästigung verklagt. So haben sich die Zeiten geändert. In unserer Gegend hielt sich jemand zwei Schafe, die band er morgens auf der freien Wiese an und holte sie abends wieder nach Hause. Und nie ist eines verschwunden. Schweine wurden in Surheide auch gehalten. Ich weiß aber nicht, wer und wo sie hielt. Nur eine Geschichte wurde immer mal wieder erzählt. Eine 'schwarze' Hausschlachtung war gründlich daneben gegangen. Das Tier sollte mit einer großen Axt vom Leben zum Tode befördert werden. Der ungeübte Schlächter verschätzte sich aber beim Schlag. Die Erzählung fand ihren Höhepunkt in dem Satz "... und haute ihm ein Ohr ab!" Je nach dem Alkoholisierungsgrad, den der Erzähler dabei erreicht hatte, wurde die Geschichte mit ausholenden Handbewegungen begleitet. Ich habe die Geschichte mehrmals zu hören bekommen, und jedesmal gerieten dabei die auf dem Tisch stehenden Gläser in Gefahr, zweimal gab es Bruch.

Ja, so sah ein Haushalt aus, am Rande unserer Stadt Bremerhaven, als unser Ortsverband im Jahre 1957 von einigen rührigen Hausfrauen gegründet worden ist. Ein halbes Jahrhundert ist das nun her!

 

Pressemitteilung zu unserem 50. Geburtstag im Jahr 2007

 Ein alter Spruch sagt, wenn sieben Deutsche beisammen sind, dann gründen sie einen Verein. Und wenn sieben Hausfrauen beieinander sind, gründen sie dann einen Hausfrauenverein? Und mit was beschäftigen sie sich dann? Unterhalten sie sich bei Stricken und Häckeln über Kochrezepte? Den Mitgliedern des Deutschen Hausfrauen-Bundes (DHB) kommen häufiger solche Fragen auf den Tisch - und diese sind durchaus ernst gemeint. In einer Umfrage erklärten zwei von drei Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren: Wir wollen nicht mehr Hausfrau genannt werden! Nicht nur männliche Vorbehalte treten einem Hausfrauenverband entgegen.

Die Präsidentin des Deutschen Hausfrauen-Bundes, Frau Angelika Grözinger hält dem entgegen: "dass der DHB ein Verband ist, der sich bei seiner Auseinandersetzung mit vielschichtigen aktuellen Themen intensiv für die Gesellschaft engagiert. In den Ortsverbänden, den Landesverbänden und im Bundesverband setzen wir uns täglich mit Fragen auseinander, die die Themen Verbraucherpolitik, Umwelt, Hauswirtschaft und Familienpolitik betreffen. Mit großer Selbstverständlichkeit und Nachdruck engagiert sich der Verband in einigen Regionen in der Verbraucheraufklärung. Oberbürgermeisterinnen, Landräte, Bundestagsabgeordnete, Staatssekretäre und auch Minister sind zuerst erstaunt, wenn sie unseren Verband bei Veranstaltungen näher kennenlernen, fühlen sich aber dann schnell wohl in professionell durchgeführten Veranstaltungen dieses Verbandes." Der Privathaushalt und seine Schnittstellen zu Politik, Recht, Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt stehen im Mittelpunkt der DHB-Arbeit. Und längst sind es nicht mehr nur die Frauen allein, die sich unter dem Dach des DHB organisieren. Hauswirtschaftliche Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln und die Mitwirkung in der hauswirtschaftichen Berufsausbildung gehört zu den Aufgaben, denen sich der DHB gestellt hat. Als Arbeitgeberverband schließt der DHB Tarifverträge mit den zuständigen Gewerkschaften für ArbeitnehmerInnen im Privathaushalt sowie in Dienstleistungszentren. Daneben kümmert sich der DHB auch um das gesellschaftliche Ansehen der Hausfrau.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde - angestoßen durch die Frauenbewegung - die Teilhabe der Frauen am öffentlichen Leben gefordert. Eine erste Interessenvertretung für Hausfrauen gab es seit 1873 in Berlin; er war von Lina Morgenstern und ihren Mitstreiterinnen gegründet worden, weil sich die Berlinerinnen gegen Preistreibereien bei Lebensmitteln zur Wehr setzen wollten. Aber erst im Jahr 1915 wurde der Deutsche Hausfrauen-Bund gegründet. Die Gründerin war keine typische Hausfrau jener Jahre: Hedwig Heyl, geborene Crüsemann, wurde am 5. Mai 1850 in Bremen geboren und heiratete in jungen Jahren den Fabrikanten Georg Friedrich Heyl, Eigentümer einer chemischen Fabrik in Charlottenburg. Nach dem Tod ihres Mannes leitete Hedwig Heyl mehrere Jahre selbst die Fabrik. Hier errichtete sie erste soziale Einrichtungen. Sie kümmerte sich um eine hauswirtschaftliche Ausbildung von Arbeiterfrauen, gründete Kindergärten, Kochschulen und Jugendhorte, in denen die Jugend handwerkliche Grundkentnisse erwerben konnte. Schnell schlossen sich andere Vereine an. Innerhalb weniger Jahre waren in 65 Ortsverbänden mehr als 45.000 Hausfrauen organisiert. In den folgenden Jahren beeinflußte der Verband insbesondere die hauswirtschaftliche Ausbildung. 1935 löste sich der Bund nach Einflußnahme durch die Nationalsozialisten auf. Nach Kriegsende organisierte sich der Deutsche Hausfrauen-Bund neu.

In Bremerhaven ist der Begriff "Hausfrauen-Bund" untrennbar verbunden mit dem Namen Friedel Oellerich. Geboren wurde sie am 18. Oktober 1906 in Hannover. Frau Oellerich war über zwanzig Jahre Stadtverordnete, in Würdigung dieser Arbeit wurde sie 1975 zur Stadtältesten ernannt. Gemeinsam mit einigen engagierten Hausfrauen gründete sie im Jahr 1957 den Ortsverband Bremerhaven des Deutschen Hausfrauen-Bundes, dessen langjährige erste Vorsitzende sie war. Im Jahr 1958 war sie Mitbegründerin und Vorstandsmitglied des "Grünen Kreises" Bremerhaven, der sich die Verschönerung der Seestadt Bremerhaven zur Aufgabe gemacht hat und in heutigen Tagen mit der Aktion "Offene Gartenpforte" den verschämten Blick über den nachbarlichen Gartenzaun durch Öffnung von und Gespräch von über Gartenparadiese unserer Stadt ersetzte. 1961 gehörte sie zu den Mitbegründern der "Verbrauchergemeinschaft Bremerhaven e.V." Sie war im Schulbeirat tätig und im Prüfungsausschuß der Hauswirtschaftlichen Lehranstalten Bremerhaven.

Das Jahr 1957 war noch immer von den entbehrungsreichen Jahren nach dem Krieg geprägt. Die technische Entwicklung steckte noch in den Kinderschuhen. Der Verein sah es als seine Augabe an, jungen Hausfrauen Rat und Hilfe in Zeiten des Auf- und Umbruchs zur Verfügung zu stellen. Daneben sollten die Interessen der Hausfrauen gegenüber gesetzgebender Organe vertreten und Verbraucheraufklärung betrieben werden. Die schnelle technische Entwicklung machte fachkundige Beratung bei größeren Anschaffungen nötig. Frau Oellerich gelang es, die Bremerhavener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft als Partner des Deutschen Hausfrauen-Bundes zu gewinnen. Dadurch wurde es möglich, durch zahlreichen Ausstellungen und Beratungen die Hausfrauen an die technische Entwicklung im Haushalt heranzuführen. Frau Oellerich war es auch, die 1969 den "Club junger Hausfrauen" im Deutschen Hausfrauen-Bund gründete, der noch heute unter dem Namen "Ortsverband Bremerhaven von 1969 e.V." als zweiter Bremerhavener Ortsverband existiert. Langjährige erste Vorsitzende ist Frau Barbara Steinmetz.

Der 1957 gegründete Ortsverband wird heute von Frau Evelin Klüver geleitet. Gehört dieser Verband auch zu den Kleineren des DHB, so kann die erste Vorsitzende doch auf eine Schar hochmotivierter MitstreiterInnen zurückgreifen. So sind seine Mitglieder bundesweit in Ausschüssen des DHB vertreten, so z. B. im Ausschuß "Hauswirtschaftliche Berufsbildung des Deutschen Hausfrauen-Bundes", im "Familienausschuß" und in der "Bundesfachgruppe Hauswirtschaft". Seit nunmehr neun Jahren kooperiert der DHB mit der Volkshochschule im Landkreises Cuxhaven, die die Ausbildung von HauswirtschafterInnen durchführt; in diesem Jahr hat ein Vorbereitungslehrgang auf die Meisterprüfung in der Hauswirtschaft begonnen. Eine gesetzliche Neuregelung der Meisterausbildung stellt eine neue Herausforderung dar. Nachwuchssorgen plagen den Ortsverband wie überall, jedoch konnten aus der hauswirtschaftlichen Ausbildung heraus einige junge Frauen für den DHB gewonnen werden. Der DHB steht aber jederzeit allen Haushaltsführenden offen, die sich für die Zielsetzungen des Verbandes interessieren und sich aktiv in die Arbeit einbringen wollen. Als kleine Besonderheit zählt die Gruppe um Frau Klüver ein männlichen Hauswirtschaftsmeister zu seinen Mitgliedern; der Meisterbrief wurde 1990 auf den ersten männlichen Hauswirtschaftsmeister in Norddeutschland ausgestellt.

Die Mitglieder des Ortsverbands Bremerhaven engagieren sich bei gesellschaftlichen Anliegen in den sozialen Brennpunkten der Stadt Bremerhaven. So unterstützten sie in den Jahrzehnten des Bestehens verschiedentlich die Betreuung von Schülern in Problembezirken aus dem Erlös von selbstgefertigten Produkten. Die Bremerhavener Tafel und der Kinderschutzbund fanden sich unter Anderen gleichfalls unter den Nutznießern der Aktivitäten. Haushaltsführerschein und Kochkurse werden seit einiger Zeit ganz besonders für Menschen mit Behinderungen durchgeführt. In diesem Jahr wurde gemeinsam mit dem Berufsinformationszentrum Bremerhaven eine Ausstellung und ein Informationstag zum Thema "Hauswirtschaft als Beruf" durchgeführt. Gleichfalls in diesem Jahr wurde im Rahmen der hauswirtschaftlichen Ausbildung in Kooperation mit den Männern vom Morgenstern e.V. und der Volkshochschule im Landkreis Cuxhaven eine Präsentation zum Thema "Haushaltung und Ernährung der frühen Moorkolonisten" erschaffen, die viel Anklang fand. Vorträge über allgemeine und speziell kulturelle Themen, Lesungen, Gesundheitsthemen und Besichtigungen gehören gleichfalls zu den Aktivitäten des Ortsverbandes, ganz zu Schweigen vom "gemütlichen Beisammensein" mit Kaffee und Kuchen. Es besteht eine eigene "Fachgruppe Hauswirtschaft".

Am 30. Oktober 2007, ein halbes Jahrhundert nach der Gründung, feierte der Ortsverband Bremerhaven des DHB jetzt sein fünfzigjähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß begrüßte Frau Klüver als erste Vorsitzende Mitglieder und Ehrengäste in der rustikalen Umgebung des Geestbauernhauses. Ein Grußwort der Präsidentin des DHB, Frau Angelika Grözinger, wurde verlesen. Sie wünscht den Mitgliedern weitere Jahre voller Einsatzfreude, Ideenreichtum, sinnvoller Arbeit und frohem Miteinander. Sie machte deutlich: "Der DHB kann Heimat und Familie sein aus den Jahren der Schaffenskraft heraus bis ins hohe Alter unseres Lebens." Und Frau Klüver sprach allen Mitgliedern aus dem Herzen, wenn sie für die Zukunft die gemeinsame erfolgreiche Arbeit an einem breiten Aufgabenspektrum als Weg und als Ziel des Ortsverbandes heraufbeschwor. Auch seien neue Mitglieder in den Reihen des DHB stets herzlich willkommen.

 

Triumph des Nordens: Mitglied des Ortsverbands Bremerhaven im Bundesvorstand des Deutschen Hausfrauen-Bundes

Der alle zwei Jahre stattfindende Kongress und die Mitgliederversammlung des Deutschen Hausfrauen-Bundes (DHB), des Berufsverbandes der Haushaltsführenden, wurde dieses Jahr am 5. und 6. Mai 2009 in Großenlüder bei Fulda durchgeführt. Das Motto des diesjährigen Kongresses lautete "Familie - Lebensform in der Diskussion". Die Herausforderungen, denen sich Familien heute stellen müssen, wurden ebenso diskutiert wie die Problematik der Beschäftigung von Arbeitskräften im Haushalt. Der DHB setzt sich zusammen aus 17 Landesverbänden mit insgesamt 300 Ortsverbänden. Der Verband hat es sich zur Aufgabe gemacht, hauswirtschaftliche Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln und in der hauswirtschaftlichen Berufsbildung mitzuwirken. Als Arbeitgeberverband schließt der DHB Tarifverträge mit der zuständigen Gewerkschaft für ArbeitnehmerInnen im Privathaushalt sowie in Dienstleistungszentren. Zu den Aufgaben gehört, die Interessen der Haushaltsführenden an die Öffentlichkeit, insbesondere an die Politik heranzutragen.

Zentraler Punkt der Mitgliederversammlung war die Neuwahl des geschäftsführenden Vorstandes des DHB. Wiedergewählt wurden unter anderen die bisherige und künftige Präsidentin des DHB, Frau Angelika Grözinger und die Geschäftsführerin, Frau Elke Wieczorek. Als Beisitzerin wurde ein Mitglied des Ortsverbandes Bremerhaven des Deutschen Hausfrauen-Bundes e.V. neu in den geschäftsführenden Vorstand gewählt. Frau Heike Hauenschild erhielt zu ihrer Wahl alle Stimmen der 309 stimmberechtigten Delegierten. Frau Hauenschild ist damit nicht nur das erste DHB-Mitglied aus dem Lande Bremen, das es in den DHB-Vorstand geschafft hat, die junge Familienmutter repräsentiert gleichsam die neue und junge Generation der Haushaltsführenden. Die Hauswirtschaftsmeisterin vereinigt in ihrer Person eine hohe Fachkompetenz, die Fähigkeiten einer Haushalts-Managerin und den Elan, familienpolitische Anliegen oder hauswirtschaftliche Berufsbildungsfragen auf den Punkt und an die richtige Adresse zu bringen. Im Bereich Bremerhaven und Landkreis Cuxhaven weiß man ihr Engagement in der hauswirtschaftlichen Berufsbildung zu schätzen. Dementsprechend werden für unsere Region große Erwartungen in ihre Tätigkeit im geschäftsführenden Vorstand des DHB gesetzt.

 

Pressemitteilung zur Jahreshauptversammlung 2008

Die Mitglieder des Ortsverbands Bremerhaven des Deutschen Hausfrauen-Bundes (DHB) fanden sich am Freitag, dem 15. Februar 2008, im Ernst-Barlach-Haus zu ihrer diesjährigen Jahreshauptversammlung zusammen. Die erste Vorsitzende, Frau Evelin Klüver, rekapitulierte noch einmal die zahlreichen Aktivitäten des vergangenen Jahres, in dem das fünfzigjährige Bestehen des Ortsverbandes gefeiert werden konnte. Besonders hob sie eine Informationsaktion zum Thema "Hauswirtschaft als Beruf" hervor, die in Zusammenarbeit mit dem Berufsinformationszentrum Bremerhaven durchgeführt wurde. Gleichfalls in diesem Jahr wurde im Rahmen der hauswirtschaftlichen Ausbildung in Kooporation mit den Männern vom Morgenstern e.V. und der Volkshochschule im Landkreis Cuxhaven eine Präsentation zum Thema "Haushalt und Ernährung der frühen Moorkolonisten" erschaffen, die viel Anklang fand. Zentraler Punkt des Wirkens ist jedoch das vierzehntägige Treffen im Ernst-Barlach-Haus mit Vorträgen und Gesprächen zu den verschiedensten kulturellen, aktuellen und informativen Themen. Die einzelnen Fachgruppen berichteten von ihrer Arbeit. Im zehnten Jahr kooperiert der DHB mit der Volkshochschule im Landkreis Cuxhaven, die die Ausbildung von HauswirtschafterInnen durchführt; in 2007 hat ein Vorbereitungslehrgang auf die Meisterprüfung in der Hauswirtschaft begonnen. Eine gesetzliche Neuregelung der Meisterausbildung stellt eine neue Herausforderung dar, der man sich gewachsen zeigt. Neu und vielversprechend ist das Engagement bei der Zusatzqualifikation für HauswirtschafterInnen "Betreuung älterer Menschen". Bundesweit sind die Mitglieder des Ortsverbandes in Ausschüssen des DHB vertreten, so z. B. im Fachausschuß für hauswirtschaftliche Berufsbildung und im Fachausschuß für Familienfragen. Auf der Tagesordnung stand auch eine Neuwahl des Vorstandes. Der bisherige Vorstand des Ortsverbandes wurde ohne Gegenstimmen in seinem Amt bestätigt.

 

Pressemitteilung zur Jahreshauptversammlung 2009

Ausgerechnet Freitag den Dreizehnten hatten sich die Mitglieder des Ortsverbandes Bremerhaven des Deutschen Hausfrauen-Bundes (DHB) ausgesucht, um ihre diesjährige Jahreshauptversammlung durchzuführen. Dies tat der guten Stimmung und der Zuversicht in die Arbeit des Ortsverbandes jedoch keinen Abbruch. Die erste Vorsitzende, Frau Evelin Klüver, lobte ausdrücklich die gute Beteiligung der Mitglieder an der Jahreshauptversammlung und die rege Teilnahme und das Interesse der Angehörigen des DHB an den Aktivitäten der Gruppe, hier insbesonderedas vierzehntägige Treffen im Ernst-Barlach-Haus mit Vorträgen und Gesprächen zu den verschiedensten kulturellen, aktuellen, hauswirtschaftlichen und informativen Themen. Die einzelnen Fachgruppen und Arbeitskreise berichteten von ihrer Arbeit. Weiterhin kooperiert der DHB mit der Volkshochschule im Landkreis Cuxhaven, die die Ausbildung von HauswirtschafterInnen durchführt; ein Vorbereitungslehrgang auf die Meisterprüfung in der Hauswirtschaft läuft dort gegenwärtig. Vielversprechend angelaufen ist ein Kurs zur Zusatzqualifikation für HauswirtschafterInnen mit dem Inhalt "Betreuung älterer Menschen". In Zusammenarbeit mit dem Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit in Bremerhaven konnte das Berufsbild der Hauswirtschaft einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt werden. Auch ein Arbeitskreis, der sich mit dem bundesweiten Aktionsthema "Nachhaltiges Waschen" beschäftigt, konnte sich einem großen Publikum präsentieren. Bundesweit sind die Mitglieder des Ortsverbandes in Ausschüssen des DHB vertreten, so z. B. im Fachausschuß für hauswirtschaftliche Berufsbildung und im Fachausschuß für Familienfragen. Auch im laufenden Jahr 2009 wird der Ortsverband Bremrhaven des DHB wieder zahlreiche Aktivitäten entwickeln, interessante Themen werden aufgegriffen. Wer per E-mail Kontakt mit dem Ortsverband Bremerhaven des Deutschen Hausfrauen-Bundes aufnehmen möchte, hat die Möglichkeit unter dhb.ovbremerhaven@yahoo.de.

 

 

 

Volkswirtschaft und Hauswirtschaft:

 

Wertschöpfung für unbezahlte Leistungen im Haushalt bei mindestens 40% des Bruttoinlandsprodukts

Eine Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 2003-12-02 (Nr.488/Satistisches Bundesamt)

 

WIESBADEN – Der Wert der – überwiegend von Frauen erbrachten – unbezahlten Leistungen im Haushalt ist von mindestens 690 Milliarden Euro im Jahr 1992 auf 820 Milliarden Euro in 2001 gestiegen.

Diese Leistungen – auch Bruttowertschöpfung bei der Haushaltsproduktion genannt – wiesen 1992 eine Größenordnung von 43%, in 2001 von knapp 40% des Bruttoinlandsprodukts auf. Das Bruttoinlandsprodukt hat damit im betrachteten Zeitraum stärker zugelegt als die Haushaltsproduktion. Dennoch hat die Wertschöpfung der privaten Haushalte auch bei vorsichtiger Bewertung im Sinne einer Untergrenze ökonomisches Gewicht: Sie entspricht im Jahr 2001 in etwa der Bruttowertschöpfung der deutschen Industrie (Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe 472 Milliarden Euro) und der Bereiche Handel, Gastgewerbe und Verkehr (350 Milliarden Euro) zusammen. Diese und weitere erste Ergebnisse der Zeitbudgeterhebung 2001/2002 hat der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, heute bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt, vorgestellt.

83% der unbezahlten Leistungen im Haushalt sind auf die unbezahlte Arbeit der Haushaltsmitglieder zurückzuführen, die übrigen 17% auf Faktoren wie die Nutzung von Gebrauchsgütern wie Waschmaschinen, Möbel und Kraftfahrzeuge oder die bezahlte Hilfe durch Hausangestellte. Trotz einer Zunahme der Bevölkerung ab 12 Jahren um 2% hat der Umfang der unbezahlten Arbeit einschließlich der dafür notwendigen Wegezeiten von 1992 bis 2001 um etwa 6% auf 96 Milliarden Stunden abgenommen. Er ist damit in diesem Zeitraum stärker zurückgegangen als das Jahresvolumen an Erwerbsarbeit von Arbeitnehmern und Selbstständigen, das sich um gut 4% auf 56 Milliarden Stunden verringert hat. Bei einer vorsichtigen Bewertung der unbezahlten Arbeit mit dem Nettostundenlohn von Hauswirtschaftern/-innen in Höhe von gut 7 Euro je Stunde in 2001 ergibt sich ein Wert der unbezahlten Arbeit im Haushalt von 684 Milliarden Euro, für 1992 – bei einem Nettostundenlohn von knapp 6 Euro – von 603 Milliarden Euro. Würden die Haushalte tatsächlich eine Hauswirtschafterin einstellen, so fielen mit Sozialversicherungsbeiträgen, Steuern und bezahlten Urlaubs- und Krankheitstagen mehr als doppelt so hohe Lohnkosten an.

Der Rückgang des zeitlichen Umfangs an bezahlter und unbezahlter Arbeit in Deutschland um 4% bzw. 6% hat zu mehr Freizeit geführt. Dabei stieg die Freizeit von Männern stärker als die von Frauen. Männer nehmen sich mit 6¼ Stunden pro Tag durchschnittlich eine halbe Stunde mehr "Freizeit" als vor 10 Jahren, bei Frauen machte der Anstieg nur eine gute Viertelstunde auf 5¾ Stunden aus. Mit der Nutzung von Medien verbringen Männer mit 3 Stunden täglich fast eine halbe Stunde mehr Zeit als Frauen. Dabei entfällt auf Fernsehen ein Zeitanteil von 67%; für Lesen, Musik hören und Computernutzung wurde deutlich weniger Zeit aufgewandt.

 

 

"Händewaschen nicht vergessen!!"

Als im vergangenem Jahr die Schweinegrippe vor der Tür stand und unsere Regierung Unsummen für Medikamente zum Impfen und zur Behandlung der Infektionskrankheit ausgab, als Listen von impfenden Arztpraxen veröffentlicht wurden und jeder lesen konnte, wer wo wann und in welcher Woche geimpft werden könnte, da erlebte eine kulturelle Errungenschaft seine Renaissance: das Händewaschen. Dabei kann noch nicht einmal gesagt werden, was von beiden erfolgreicher war: das Impfen oder das Händewaschen. Sagen wir einfach: "Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker." Und gemahnen wir uns an den Spruch, den wir in unserer Kinderzeit hören mußten: "Händewaschen nicht vergessen!". Dabei muß es noch nicht einmal die medizinische Desinfektionsseife oder die Desinfektions-Lotion für Nach-dem-Waschen sein. Fließendes warmes Wasser, eine hautschonende Seife und ein regelmäßiges Händewaschen sorgen schon dafür, daß die meisten Krankheitserreger im Ausguß verschwinden - bevor sie einen Angriff auf das körpereigene Abwehrsystem starten können! Gute Zeiten zum Händewaschen sind:

- nachdem man in seine eigenen vier Wände wieder betreten hat;

- vor und nach der Zubereitung von Speisen;

- vor und nach dem Essen;

- beim Umgang mit Nahrungsmitteln (dies nicht nur!) nach dem Niesen oder Naseputzen;

- nach jedem Gang zur Toilette;

- nach dem Kontakt mit Tieren;

- nach dem Kontakt mit erkrankten Menschen;

- und natürlich immer dann, wenn die Hände schmutzig sind.

Waschen Sie Ihre Hände gründlich, achten Sie auf die Zwischenräume zwischen den Fingern; vergessen Sie die Falten am Grundglied des Daumens nicht. Unter Schmuckstücken, Ringen oder Armbänder, können sich Krankheitskeime verstecken. Denken Sie daran, daß das Händewaschen nicht an der Handwurzel enden sollte. Die Chriomantie oder Handlesekunst ist die Lehre von der Deutung der Handlinien; Wissenschaftler der chemischen Industrie hingegen lasen bei einem Forschungsprojekt in den Rillen der Handinnenfläche, daß sie ein Sammelplatz für Infektionserreger sind, wäscht man seine Hände nicht ordentlich genug. Ein kräftiges Rubbeln der Handfläche mit dem Daumen der anderen Hand schafft hier schon deutlich Abhilfe. Und zum Schluß: die Hände in einem sauberen, trockenen Tuch abtrocknen. Nasse Hände sind der ideale Brut- und Überlebensplatz für alle Krankeitserreger. Das gemeinsame Stoffhandtuch auf der Toilette der Arbeitsstelle gehört auf den Scheiterhaufen; dabei werden wenigstens die Krankheitserreger mit verbrannt, die sich in einem solchen Gemeinschaftshandtuch einnisten.

In diesem Sinne: Beiben Sie gesund!